

98Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
Sehr geehrter Herr Bundesaussenminister Herr Frank-Walter Steinmeier,
Georgien ist ein junges demokratisches Land mit uralter europäischer Kultur. Es war bis letzte Woche aufstrebend und hatte sich weitgehend von den letzten Kriegen erholt. Nun ist trotz wiederholter Warnungen vor einem möglichen Kriegausbruch der Wort-Case eingetreten: Russland und Georgien befinden sich im Krieg. Wie konnte das passieren, obwohl es abzusehen war? Wir (die UnterzeichnerInnen) können nicht nachvollziehen, weshalb die Regierungen Europas Russland nicht im Vorfeld klar zu verstehen gegeben haben, dass ein Krieg im Kaukasus nicht toleriert werden wird. Wir sind bereit auch Opfer zu bringen, um uns vom russischen Gängelband loszulösen. Wir streben ein mündiges Deutschland an. Wir möchten wirklich frei sein in unseren Entscheidungen und Handlungen. Wir sind nicht glücklich über das deutsche Selbstbild, ohnmächtig zu sein, ohne Rückgrat, feige und schwach, ängstlich und träge. Wollen wir wirklich festhalten an den gewohnten Haltungen, die uns schoneinmal in die absolute Katastrophe geführt haben?
Wir wünschen uns eine aktivere Haltung der Bundesregierung im Kaukasuskonflikt. Was dort passiert kann niemand tolerieren. Russland muss sich zurückziehen und Wiederaufbauhilfe in Georgien leisten. Es ist zu prüfen, ob Russland internationales Völkerrecht verletzt hat, ggf. ist dies zu ahnden. Die souveräne Integrität von Georgien muss gewahrt werden. Es dürfen keine russischen Friedenstruppen in Süd-Ossetien und Abchasien stationiert werden, sonst hat man wiederholt den Bock zum Gärtner gemacht.
Wir verlangen von Ihnen, dass Sie als unsere gewählten Vertreter, sowie Ihre europäischen Kollegen entschieden gegen Unrecht, wie aktuell von Russland verübt, vorgehen. Ich möchte mir nicht vorwerfen müsen, sehenden Auges nichts getan zu haben, um diesem Verbrechen eines machttrunkenen Tyrannnen Einhalt zu gebieten. Ja, die Russen haben einige hochwirksame Machtmittel, um uns zu bedrängen: Energielieferungen und militärische Brachialgewalt im Überfluss...Wollen wir nun einfach feige kneifen? Fremden Willen ausführen? Dabei sind wir doch schon eine Kolonie der USA - oder werden wir zwischen zwei "Schutzmachten" zerrieben?
Wir sind bereit uns dafür zu bewegen, bzw. Nachteile hinzunehmen welche sich ergeben könnten, wenn die wirtschaftliche Beziehung zu Russland in Mitleidenschaft gezogen wird. Und es wird nicht reichen, im Winter einen warmen Pullover anzuziehen und die Heizung kalt zu lassen.
Wir möchten das Bewusstsein fördern, dass wir alle in einem Boot sitzen und es uns nichts hilft, wenn es uns an unserem Ende des Bootes gut geht während das andere Ende schon am Absaufen ist. Dieses Bewusstsein muss sich bei allen Passagieren durchsetzen, auch im Kreml (und in Washington).
Russland müssen klare Grenzen aufgezeigt werden, dann wird Russland Europa vielleicht eines Tages aussenpolitisch ernst nehmen.
Wir hoffen und beten zu Gott, dass aus Georgien kein russisches Äquivalent zu Afghanistan oder dem Irak wird (Satellitenstaat mit alimentierter Regierung).
In diesem Sinne viel Erfolg bei der weiteren Moderation und Begleitung der Konfliktlösung für eines der schönsten Länder unseres Planeten - Georgien.
Mit freundlichem Gruß,
Die UnterzeichnerInnen, August 2008




